Der Anfang des Menschen

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Der Anfang des Menschen und seine Vertreibung aus dem Paradies

(Johannes 1,1ff
Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden. Und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben. Und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis. Und die Finsternis hat es nicht erfasst. … Und das Wort ist Fleisch geworden …")

"Im Anfang …"

Kein Gegenstand hat einen Anfang. Das Atom, die Erde, die lebende Zelle als Grundbaustein jedes Lebenden Systems hat keinen räumlichen Anfang.

Nur Bewegung hat einen Anfang, nämlich einen zeitlichen Anfang. "Anfang" ist stets ein zeitlicher Anfang.

"… war das Wort."

Am Anfang der Bewegung war also nicht Gott oder irgendein Ding, das sich zu bewegen begann, sondern das Wort. Also ein Begriff. Etwas Geistiges. Ein Wort. Ein Wort ist ein Symbol für etwas anderes, was man sehen, schmecken, riechen, anfassen kann.

Ich sage: am Anfang des Menschen war das Wort. Der Mensch wurde zum Menschen durch das Wort. Aber nicht das Individuum, sondern die Gruppe. Das Wort, die Sprache, hat nur Sinn in der Gemeinschaft. Am Anfang des Menschen war also das gemeinschaftlich gefundene Wort als Beginn der verbalen Kommunikation und des verbalen Denkens.

"Und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort."

Nun erst kommt Gott ins Spiel. Nach dem Anfang und nach dem Wort.

Das Wort benötigt einen Sender, der das Wort spricht und einen Empfänger, der es hört, es wahrnimmt. In der Genesis ist zuerst ein Tätigkeit, nämlich das Schöpfen (Schaffen). Aber der Schöpfer schafft durch das Wort. Das Wort wird gesprochen und es geschieht, was das Wort befiehlt. Der Sender dieser Worte ist Gott. Hier bei Johannes, geht es nicht um den Anfang der Schöpfung, sondern es geht um den Anfang des Menschen. Das ergibt sich aus:

“Und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben. Und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis. Und die Finsternis hat es nicht erfasst.”

Das Leben vor dem menschlichen Leben ist ein Leben in Finsternis, in Unbewusstheit. Die ohne Wort lebenden Pflanzen nd Tiere sind Reflexwesen, keine bewusst handelnden Lebenden Systeme. Erst das Wort macht den Menschen zu einem lebenden System, das bewusst lebt. Dieses in der Philosophie so genannte "Bewusstsein" ist der Tag, das Licht. Durch das Wort lebt der Mensch im Licht und nicht mehr in der Dunkelheit, wie die Tierwelt.

Dies korrespondiert mit der Genesis-Darstellung des Paradieses und der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies.

Das Paradies

Im Paradies wird Adam geschaffen, das erste Lebende System. Die Zelle mit einem Chromosom. Das ist die "Rippe". Aus dieser "Rippe", dem Chromosom, wird Eva geschaffen. Nun ist ein lebendes System höherer Ordnung entstanden, eine Art.

Und wie entwickelt sich diese zum Menschen?

Durch den Sündenfall. "Adam" wird angekündigt, dass er nicht vom Baum der Erkenntnis essen dürfe. Sobald er davon esse, stürbe er.

Die Versuchung, so zu werden wie Gott, durch das Essen vom Baum der Erkenntnis des guten und des Bösen gottgleich zu werden, kommt im Stadium der Zweigeschlechtlichkeit Lebender Systeme.

Wodurch wurde der Mensch in der Realität der Erde zum Menschen?

Durch das Wort (Johannes 1).

Das Wort war nun nicht mehr nur bei Gott, sondern auch beim Gott gleichen Menschen.

Das Wort wurde jedoch nicht im Individuum geschaffen, sondern es wurde durch die Gemeinschaft zum Begriff für etwas ausgewählt, das alle Menschen dieser Gemeinschaft gemeinsam beobachteten, hörten, erlebten.

Damit wurde der Wahrnehmung der Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen usw.) ein akustisches Signal als Begriff zugeordnet. Im Gehirn des Menschen war nun nicht mehr nur die Wahrnehmung eines Vorgangs außerhalb der Menschen, sondern zusätzlich ein von den Menschen geschaffenes akustisches Symbol für das Erlebte.

Dieses Wort und alle anderen Wörter, Begriffe und Sätze wurden dadurch geschaffen, dass die Menschen lernten, ihre Stimmbänder, die sich im Kehlkopf (im Deutschen "Adamsapfel") befinden, gezielt zu bewegen und den Schall mit den im Mund befindlichen Organen, vor allem der Zunge, zu Worten zu formen. Der Mund wird nun nicht zum Essen benutzt, wie in der Genesis, wo der Apfel gegessen wird, sondern realiter war es umgekehrt: Es kann etwas aus dem Mund heraus, nämlich Worte - wie am Anfangder Schöpfung -, Worte nun als Symbole für äußere Ereignisse. Aufgenommen werden Informationen über äußere Ereignisse und diese werden umgewandelt in Worte. Der "Baum der Erkenntnis", vom dem gegessen wird, ist also die Umwelt, die wahrgenommen wird. Und die Umwandlung dieser Wahrnehmungen in Begriffe, die mit den Stimmbändern und dem Mund geformt werden, also der Spracherwerb, ist der Vorgang, durch den der Mensch zum Menschen, zum bewusst handelnden Lebenden System, wird. So ist es auch noch beim Säugling. Jeder Mensch muss nach seiner Geburt diesen Vorgang wiederholen, erneut die Sprache erlernen. Hiermit wird er zum Menschen, der Mensch Gott gleich ist. Im Anfang war nämlich das Wort bei Gott. Nun ist es auch bei den Menschen. Und das ist der Sündenfall, der den Menschen aus dem Paradies vertreibt. Er ist nun nicht mehr Eins mit der Natur, sondern trennt sich durch das Wort, den Begriff, die Sprache, von der Natur - durch das Denken in Begriffen anstatt in Filmen (optisch) und anderen Wahrnehmungen, die erinnert werden.

Die Menschen bemerken nun, dass sie nackt sind und sie schämen sich ihrer Nacktheit.

Diese Nacktheit sind die Mängel der Menschen im Vergleich zum Tier. Der Mensch hat kein Fell, er ist nackt. Um seine Nacktheit zu verbergen und sich nicht mehr schämen zu müssen, nimmt er sich ein Blatt als erstes Kleidungsstück. Er wird zum Menschen, indem er sich an Stelle des tierischen Fells Kleidung herstellt. Sein Mangel, das fehlende Fell, wird damit zum Anlass, dadurch Mensch zu werden, dass er sich körperexterne Organe aus dem herstellt, was er in der Natur vorfindet. Er beginnt, gottgleich selbst zu schaffen, zu arbeiten. Die Nutzung des Blattes als Kleidung ist die erste Arbeit des Menschen. Und nun gehören die Produkte, die der Mensch in menschlicher und gesellschaftlicher Arbeit selbst herstellt, zu ihm als äußere Erweierungen seiner minderwertigen inneren Organe. Am Anfang bemerkte er seine minderwertige nackte Haut, der das wärmende Fell fehlt, dann bemerkt er die Minderwertigkeit seiner Zähne im Vergleich zu Tieren, von denen er gefressen werden kann und sich fürchten muss, und stellt sich Steinwerkzeuge her, Steinmesser als Ersatz der Zähne des Säbelzahntigers. Daraus werden Speere, die es dem Menschen ersparen, Auge in Auge mit seinen tierischen Feinden zu kämpfen und später Pfeil und Bogen, Schusswaffen und Atomraketen.

Diese "zusätzlichen" Organe, wie Hans Hass sie nennt, "körperexterne" Organe, wie ich sie nenne, machen den Menschen den Tieren überlegen. Sie dienten zunächst der Kompensation seiner organischen Minderwertigkeit (ein Begriff des Psychoanalytikers Alfred Adler), und sie sind Bestandteil des materiellen menschlichen Körpers, der einen lebenden Anteil hat und einen körperexternen nichtlebenden Anteil. Dieser körperexterne nichtlebende Anteil der Materie, die den Menschen ausmacht, besteht für das Individuum aus seiner Kleidung, seiner Wohnung, seinem Auto, seinem Fernseher, seinem Computer usw. und für die menschliche Gemeinschaft, den Erfinder der Sprache und des verbalen Denkens, besteht der körperexterne materielle Anteil in den Straßen, Elektrizitätswerken und elektrischen Leitungen, Wasserleitungen, kurz: in den Öffentlichen Versorgungsnetzen und den gemeinsam hergestellten und genutzten körperexternen Gemeinschaftsorganen. Die Gedanken des Menschen, seine Ideen, hat der Mensch mittels der Natur in technische Produkte umgewandelt.
Die Ideen sind zu körperexterner menschlicher Materie geworden.

Wie Johannes sagt:

"Und das Wort ist Fleisch geworden."

Der Mensch hat sich damit jedoch von der Natur getrennt, ist "gestorben" (Genesis 2, 17), und hat die Natur zu seinem Objekt gemacht, über das er verfügt, er hat die Natur gesellschaftlich zu seinem Eigentum gemacht und macht individuell die aus der Natur hergestellten Waren zu seinem Privateigentum.

Aber das berechtigt ihn nicht, die Natur zu zerstören und die Regelkreise der Natur aus dem Gleichgewicht zu bringen. Täte er das - und er ist dabei, es zu tun -, dann wäre das sein sicherer Untergang. Sein realer Tod. Der Untergang der Menschheit.

Deshalb muss er umkehren und darf seine Beherrschung der Natur nicht mehr zur Vernichtung der Natur nutzen.

Er hat zwar die äußerer Einheit zwischen der Natur und sich durch das Wort, durch die Sprache, aufgegeben und sich äußerlich von ihr getrennt, sich entfremdet und die Natur von sich emtfremdet, er hat sich denaturiert, wie ich das bezeichne. Aber er muss den Weg zur inneren Einheit mit der Natur zurückfinden. Er muss sich bewusst werden, dass er sich selbst materiell vernichtet, sich seiner Lebensgrundlage beraubt, wenn er die ihn umgebende Natur durch seine Arbeit weiterhin zerstört.

Der Mensch muss die Gleichgewichte der Natur beachten und aufrecht erhalten.

Die wesentliche Störung des Gleichgewichts zwischen ihm und der Natur besteht darin, dass er sich ungebremst vermehrt. Die Menschheit muss ihre Vermehrung, die durch natürliche Feinde nicht mehr negativ zurückgekoppelt wird, durch eigene Maßnahmen zurückfahren. Die Menschheit darf sich nicht übervermehren, sondern muss die Größe ihrer Art (oder Spezies) und ihren Energieverbrauch an die Regelkreise der Natur anpassen. Sie muss ihren Sexualtrieb steuern. Und sie muss ihren Energieverbrauch steuern.

Wenn sie diese Aufgabe nicht global löst, wird sie und ein großer Teil der anderen lebenden Systeme auf der Erde mit ihr, untergehen.

Die "Vertreibung aus dem Paradies" fand nicht vor irgendeiner langen Zeitspanne statt, sondern
sie ist in der Gegenwart
in vollem Gange.

Rudi Zimmerman, Berlin, Ostern 2011

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